YOT Ein Experiment um Raum, Mensch und Religion in der Magdalenenkirche

Der Brügger Architekt Pierre Byck zeichnete um 1848 die Pläne der Magdalenenkirche nach Ideen des englischen Architekten Thomas Harper King und dessen Lehrmeister August Welby, die sich beide im damals anglophilen Brügge heimisch fühlten. Das Ergebnis war eine bemerkenswerte Konstruktion, die zwischen 1850 und 1853 vom Bauunternehmer Anton Verbeke südlich der ehemaligen Klosteranlage der Minoriten aufgebaut wurde. Als 1910 auch die Innenausstattung vollendet war, konnte von einem einmaligen neugotischen Gesamtkunstwerk von Architektur, Mobiliar, Dekoration und Farbgebung geredet werden.

 

Unter dem Einfluss falsch verstandener neuer kirchlicher Auffassungen und da der neugotische Stil kaum noch geschätzt wurde, ging in den sechziger Jahren leider ein wichtiger Teil des Mobiliars und der Bleiglasfenster verloren, und wurde das ganze Innere, mitsamt Altären und Heiligenstatuen, weiß gestrichen.

Nachdem 1986 die kunsthistorische Authentizität einigermaßen wiederhergestellt war, führte das YOT-Projekt 2002 zu einer zeitgemäßen Neugestaltung, die auch das übriggebliebene neugotische Erbe wieder zu Ehren bringen wollte.

Die Pfarrkirche der heiligen Magdalena und Katharina wurde 1853 der letztendliche Heimatort der Kirchengemeinschaft von Sankt Katrein, die zuerst außerhalb der südlichen Stadtmauern (1380) beheimatet war. Kriegswirren veranlassten sie dazu, eine wechselnde Unterkunft zu suchen bei den Franziskanermönchen am Genter Tor, in einer Seitenkapelle der Liebfrauenkirche, in der Kapelle der Wollweber am Katharinentor. Um etwa 1840 fand sie ein Zuhause in der Kapelle des Magdalenenstiftes am Garnmarkt. Damals wurde beschlossen, für die wachsende Bevölkerung von Südbrügge zwischen Coupure und Visspaanstraat eine neue Parochie zu gründen. Auf der ehemaligen Klosteranlage der Minoriten, die inzwischen als botanischer Garten, jetzt der Astridpark, angelegt war, sollte man die Kirche bauen.

Die Pfarrgemeinde bestand zum übergroßen Teil aus armen Leuten. Das fand einen bewusst schlichten und bescheidenen Ausdruck in der Innenausstattung, denn die Seelsorge hatte Vorrang vor historischen Reminiszenzen. Diese Eigensinnigkeit zeigt sich auch in der Nordorientierung des Gebäudes, der englischen Inspiration und seiner Bezogenheit auf die natürliche und menschliche Umgebung.

Es ist auch kein Zufall, dass die Magdalenenkirche, etwas abseits der stolzen Skyline der Stadt, das YOT-Experiment beherbergt für weitere geistige Orientierung, wo jeder Vorbeigehende und nach Lebenssinn Suchende, welcher Überzeugung er auch anhängen mag, ein willkommener Gast ist.

Das YOT-Experiment ist eine Initiative der Arbeitsgruppe Christen in Brügge 2002 und war ein Bestandteil des Programms für Brügge Kulturhauptstadt 2002. Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass die strikt liturgische Funktion und die Zweckmäßigkeit vieler Kirchengebäude zusehends abnehmen, während der Umbau zum öffentlichen Raum wegen ihrer Eigenart auch nicht auf der Hand liegt. YOT entscheidet sich darum für die Neubewertung des noch lebendigen Inhalts. Auf diese Weise bleibt die Kirche eine Stätte des Ausdrucks und der Befriedigung der zunehmenden geistigen Bedürfnisse des heutigen Menschen, ob er gläubig oder praktizierend ist oder nicht.

 

Sie können unser Experiment unterstützen mit einer Gabe. Überweisen Sie bitte auf Konto Nr. 777-5942636-10 von "Yot vzw".

Für weitere Informationen, Gruppenbesuch, Vorschläge, u.s.w., wenden Sie sich an Koen Dekorte, Koordinator, Stalijzerstraat 19, 8000 Brugge, E-mail: info@yot.be.